Meine erste Ballonfahrt.
Hast du etwas los, fragt mich Peter, als ich von der Schicht nach Hause komme. Es war ein strenger Tag heute und noch wartet eine Menge Büroarbeit auf mich. Peter lässt nicht locker "könntest du denn nicht die Büroarbeit verschieben, bei diesem schönen Wetter ? " nervt er, und ich kenne diese Drängerei wenn er etwas will, sie kann bis hin zu Nötigung führen.
So rück endlich raus, was willst du denn, sage ich genervt - und ich bin ganz schön platt über
die Antwort....He ja es ist doch viel zu schönes Wetter zum Arbeiten, ich möchte dich zu einer
Ballonfahrt einladen ...in 10 Minuten starten wir - gleich da drunten auf unserer Wiese.
Er will mich auf den Arm nehmen, fährt es durch meinen Kopf, doch Peter sagt" Na los, pack deine Sachen, wir müssen gehn.
So eine Chance will ich nun doch nicht verpassen. Peter ist ein erfahrener Heissluftballonpilot und auf dem Weg zum Begleitfahrzeug gibt er mir ein paar Informationen zur Ballonfahrt. Zwei weitere Passagiere stehen schon beim Fahrzeug, wir begrüssen uns und fahren auf die Wiese 100m unterhalb meines Hauses. Gemeinsam packen wir den Ballon aus, der Himmel ist blau und die Sicht sehr klar.
Plötzlich sind wir umringt von Kindern und staunenden Nachbarn während die Ballonhülle sich füllt und mächtig gross über dem Korb hängt. Ich bin noch am knipsen da tönt Peters bestimmte Stimme "sofort einsteigen, es geht los".
Ich klettere in den Korb und Sekunden später löst sich der Korb sanft vom Boden ab, ich
realisiere es erst in dem Moment wo unsere Hausfassade langsam am Korb vorbeigleitet.
Ein toller Anblick und ein erhabenes Gefühl.
Der Esel meines Nachbarn grüsst beim Vorbeiflug mit Geschrei und Sekunden später liegt bereits die mir so vertraute Gegend zu Füssen. Ich bin fasziniert vom Überblick und von der Perspektive der "Vögel", eine ganz andere Sicht. Mein Auto ist von oben gesehen viel länger und schmal, das Gartenhaus klein und flach und die beschäftigten Menschen klar erkennbar, gleichen eher turnenden Ameisen.
Wir steigen gerade hinauf in den Himmel, die frisch verschneiten Bergketten kommen zum Vorschein und es eröffnet sich eine phantastische Fernsicht. Auf 4000 m Höhe ist es so klar dass wir im Norden den Schwarzwald, und Richtung Süden über die Berge hinweg die Pooebene in Italien erkennen können. Gerade unter mir ist immer noch klar sichtbar meine kleine Welt mit dem weidenden Esel.
Peter heizt den Ballon noch etwas, um in den Wind zu kommen, der uns Richtung Appenzellerland blasen sollte, ...und es funktioniert. Ohne Wind zu spüren legt der Ballon an Fahrt zu und gleitet über den Bachtel Richtung Säntis.
Der klare Blick in die Ferne, auf die Dörfchen und Weiler unter mir, mit den spielenden Kindern und den Traktoren der Bauern auf ihren Feldern lassen mich die Zeit vergessen. Die Abendsonne taucht bereits die ganze Gegend in ein goldenes Licht, die Schatten werden immer länger und der Säntis kommt beängstigend schnell näher. Huch , fährt es durch meinen Kopf.
Peter kennt diese Gegend wie seine Westentasche "wir sind über Hemberg, es ist Zeit zu landen" sagt er. Er stoppt den Brenner, der Ballon sinkt sanft in die beginnende Abenddämmerung, der Wind flaut ab und treibt uns langsam über einen Appenzellerhof auf eine Wiese mit friedlich weidenden Kühen.
Ein letzter Flammenstrahl schiesst in die grosse Öffnung des Ballons bevor der Korb mit einem kleinen Ruck zwischen Kuhfladen aufsetzt. Eine Schar begeisterter Kinder empfängt uns und alle wollen mithelfen beim Verpacken des Ballons.
Ein ergreifendes Abenteuer das sich schwer in Worte packen lässt, geht für mich zu Ende. Meine erste Ballonfahrt, aber kaum die Letzte......und die Büroarbeit wartete geduldig.
A.P. in Heimberg.
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